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Sprich!

  • Writer: Nkiruka
    Nkiruka
  • Apr 23, 2022
  • 5 min read

Updated: Aug 7, 2022

Ich habe mich nie als eine große Rednerin betrachtet. Ich war mir lange nicht bewusst, dass meine Gedanken und meine Worte einen größeren Wert haben könnten. Für mich waren die Gedanken und Worte anderer dafür umso größer von Bedeutung. Sprache habe ich schon immer als ein hohes Gut betrachtet. Ich war immer vorsichtig mit der Auswahl meiner Worte und habe auch die Menschen um mich herum in ihrer Wortwahl beobachtet, weil ich wusste, wie schmerzhaft scharfe und harte Worte sein konnten.

Der Großteil der Gespräche und der Kommunikation, die ich mit Menschen in meinem Leben geführt habe, bringen eine schmerzhafte Erinnerung mit sich. Das Ignorieren und Überhören meiner Worte, die Verdrehung meiner Worte vor anderen und vor Personen in höherer Autorität, die Verbreitung und das Glauben von kursierenden Gerüchten über mich, die vereinte Anrede gegen mich durch mehrere Personen und die Wahl von Worten, die erniedrigend und ablehnend waren sind Erfahrungen, die ich in meiner Kindheit oft gemacht habe. Etwas, was mich sehr lange in meinem Leben begleitet hat, war die Angst andere Menschen zu enttäuschen und etwas falsch zu machen. Ablehnung war für mich immer ein großes Trauma. Irgendwann habe ich verlernt, meine Gedanken frei auszusprechen und mich auszudrücken, weil ich die Aussagen anderer Personen über mich als höher betrachtet habe als meine eigene Meinung. Ich habe mir sogar verboten, eine eigene Meinung zu bilden, weil ich Angst hatte, was Menschen dann zu mir sagen werden. Ich hatte Angst vor Kommunikation, weil ich wusste, dass ich nicht sagen konnte, was ich sagen wollte, weil ich es mir nie für mich selbst ausformuliert habe. Mir war nicht bewusst, was mein Herz brauchte, um sich frei zu fühlen. Das habe ich sehr lange ausgehalten. Es führte aber dazu, dass ich mich immer mehr zurück zog, sowohl innerlich als auch physisch von anderen Menschen um mich herum. Ich entwickelte eine Angst vor Menschen. Ich konnte plötzlich nicht mehr mit anderen Menschen reden. Ich hatte Angst davor, was sie sehen würden, wenn sie mich sahen. Ich hatte Angst davor ihren Eindruck von mir in ihren Augen zu erkennen, wenn ich sie anschaute. Ich konnte Menschen nicht mehr in die Augen schauen. Und dieses Gefühl war unerträglich. Ich hatte das Gefühl mir wurde meine Stimme genommen. Die Stimme, die mich als Person ausmachte und den Raum füllte. Die Stimme, die meine Identität zeigte und meine Gegenwärtigkeit offenbarte. Die Stimme, die mich als Person auszeichnet. Ich hatte sie verloren und ich wusste nicht mehr, wie ich sie zurück erlangen konnte.

Die Gedanken und die Schwere meines Herzens drängten mich aber danach, mich auszudrücken. Ich hatte das Gefühl, dass ich den Stau an unausgesprochenen Gedanken nicht mehr aushalten konnte. Ich kam zu einem Punkt, wo ich wusste, dass ich nicht noch mehr verletzende Worte in mich aufnehmen und unterdrücken konnte. Es war zu dem Zeitpunkt, dass Gott mir auf mein Herz legte, meinen Schmerz aufzuschreiben. Ich begann ein Schmerztagebuch zu schreiben, in das ich jedes Mal hineinschrieb, wenn ich zu einem Punkt kam, an dem ich die Verwundbarkeit in meinem Herzen nicht mehr aushielt. Ich drückte einerseits mein Herz in gesamter Fülle aus und schrieb andererseits ein Gebet. Ich schüttete Gott mein Herz aus, so wie es war. Es war faszinierend zu beobachten, wie viel ich schrieb sobald ich einmal anfing. Ich konnte oft nicht so schnell schreiben, wie meine Gedanken durch meinen Kopf rasten. Meine Hände taten oft weh von der langen Zeit meines Schreibens. Ich merkte jedoch gleichzeitig, dass sich mein Herz freier fühlte, je mehr Worte ich auf das Papier meines Schmerztagebuchs brachte. Ich hatte zum ersten Mal einen Filter gefunden, meine zurückgehaltenen Worte Freiheit zu geben. Es befreite mein Herz von einer immensen Last. Meine Gedanken schienen einen Ort gefunden zu haben, an dem sie ruhen konnten. Ich hatte sie nicht mehr in mir aufgestaut, sie quälten meinen Geist nicht mehr, weil ich sie zum ersten Mal aussprechen konnte. Ich merkte, dass ich meine Stimme wiederfand. Ich hatte das Gefühl zu ersten Mal gesund sprechen zu können. Es gab keine Unterbrechungen oder Bewertungen in dem Prozess meines Schreibens, was mich davon hätte abhalten können mein Herz zu entleeren. Auch ich selbst machte mir während des Schreibens keine Vorwürfe für meine Gedanken und Gefühle. Ich wollte den wahren Zustand meines Herzens und meiner Seele beschreiben, sodass ich es einmal ausgesprochen hatte. Ich hatte einen Weg gefunden mich auszudrücken! Das war eines der wichtigsten Erfahrungen, die ich in meinem Leben machen durfte, und die mir auch half mich immer mehr zu trauen, mich auch verbal zu äußern und auszudrücken. Genau wie ein Baby, das brabbelt und die eigene Stimme durch die geäußerten Laute kennenlernt, lernte ich durch das Schreiben und mein vorsichtiges Herantasten an verbalen Äußerungen, meine Stimme kennen. Zuerst begann ich damit, mir im Spiegel in die Augen zu schauen und mich zu konzentrieren den Augenkontakt nicht abzubrechen. Ich begann dann zu mir zu sprechen, während ich mich bemühte mich weiterhin dabei anzugucken. Worte der Zuversicht, Worte des Zuspruchs, Worte des Mutes. Ich lernte mit der Zeit und durch die wiederholende Anwendung meiner Stimme, wie ich sie immer besser einsetzen und anwenden konnte. So konnte ich mein Training in meine Welt tragen und umsetzen. Ich begann wieder mit Menschen zu sprechen. Ich begann zu lernen effektiv zu kommunizieren. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass ich das immer noch tue. Ich lerne gerade zu sprechen. Für mich und für die, die Gott durch mich erreichen möchte!

Das ist ein kleiner Teil meiner Geschichte, wie ich meine Worte und meine Stimme wiederfand, und wie ich lerne sie für heute und morgen zu erhalten.


Ich habe selbst erfahren, wie wichtig Sprache für die eigene Gesundheit ist. Die Unfähigkeit, die eigene Meinung und eigenen Gedanken ausdrücken zu können, wirkte sich zuerst auf meine psychische und später auf meine physische Gesundheit aus. Das Gefühl nicht sprechen zu können oder zu dürfen, nicht sein zu dürfen, ist eine Folter, die vom Feind kommt. Sie kommt nicht von Gott! Ein sehr schönes Versprechen, das uns Gott in Seinem Wort gibt, sind Seine wohlwollenden Gedanken uns gegenüber:

Denn ich weiß, was für Gedanken ich über euch habe, spricht der Herr, Gedanken des Friedens und nicht des Unheils, um euch eine Zukunft und Hoffnung zu geben. Jeremia 29,11

Wenn du das Gefühl hast, du kannst nicht sprechen, dein Herz aber voll mit unausgesprochenen Gedanken und Worten ist, empfehle ich dir einen Weg zu finden, deine Gedanken auszusprechen. Versuch es erst vor dir allein. Versuche es vor Gott, privat und ehrlich. Dein Gebet sind die Worte deines Herzens! Sei es durch die tatsächliche Aussprache deiner Gedanken in deinem Zimmer oder vor dem Spiegel, durch die Verschriftlichung deiner Gedanken, durch Kunst und anderem kreativen Ausdruck, wie Tanz, Gesang, Spoken Words, Modellieren oder andere Handwerksarbeiten, durch Gespräche mit dir nahstehenden und vertrauenswürdigen Personen oder das Anvertrauen von Geheimnissen an Haustiere und anderen Lebensgefährten, suche dir etwas, wo sich dein Herz öffnen kann und du deine Stimme erkennen und bilden kannst.


Sprich!


Denn damit beginnt es. Es beginnt mit einem Gedanken, einem Bild in deinem Herzen. Deine Gedanken zeichnen ein Bild und eine mögliche Realität vor deinen Augen. Lass die Welt wissen, was du denkst!

Wir brauchen deine Worte. Sie helfen der nächsten Person neben dir. Und sie helfen auch dir. Denn Worte sind mehr als Laute. Sie sind lebendig und bewegen etwas! Sie haben die Kraft zu bauen und zu bilden, jedoch auch zu zerstören und zu töten. Deine Stimme und deine Worte zählen. Sie haben eine große Bedeutung. Immer! Deshalb wähle deine Worte weise! Höre dir selbst zu und nutze deine Worte, um Heilung zu Herzen zu sprechen, auch deinem eigenen.


Sprich! Und beobachte, wie du die Welt um dich herum mit kreierst und veränderst.


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